Donnerstag, 06.10.2022 18:21 Uhr

'Das Verhältnis des Menschen zur Macht'

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman Paderborn, 12.08.2022, 17:57 Uhr
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St.-Veits-Kathedrale inmitten des Prager Schlosses. Symbolbild für religiöse und politische Macht.
St.-Veits-Kathedrale inmitten des Prager Schlosses. Symbolbild für religiöse und politische Macht.  Bild: Sergej Perelman

Paderborn [ENA] Dr. Eugen Drewermann (Theologe, Psychotherapeut und Publizist) hielt am 11. Juli 1992 in Paderborn eine Predigt auf Grundlage von Matthäus 22:15-22 zum Thema: 'Das Verhältnis des Menschen zur Macht. Die Frage nach der Steuer'. Der nachstehende Artikel bietet Auszüge daraus an.

„«Gebt Gott, was Gottes ist.» Alles hängt ab von dieser Zufügung. Sie bedeutet, dass wir Menschen solange Sklaven sind, als wir uns an das erste Gebot Israels nicht mehr erinnern: «Ich bin der Herr! Dein Gott!Da bricht etwas auf mit prophetischer Macht und gibt den Menschen sich selber zurück. [...] Was sind wir Menschen gegenüber Menschen unter den Augen Gottes? Hätte Jesus Macht nur bekämpft mit Macht, wäre er der Logik des Machtgewinns und -erhaltung nie entronnen. Er wäre nichts weiter als ein Rädchen in immer dem gleichen Getriebe geblieben.“

„Jetzt hören wir etwas wirklich Neues. Es ist möglich die Macht zu relativieren, indem man den Menschen Gott gegenüberstellt und ihm zeigt, wer sein wirklicher Herr ist. Eine Infragestellung der Macht, nicht nur der römischen, sondern jeder, eine grundsätzliche! Jetzt begreift man, wieso beides ineinander geht: Ein religiöser Konflikt auf dem Boden Israels, der hinüber reicht bis zum römischen Prokurator-Palast.“

„Wieso Herodianer und Pharisäer gemeinsam auftreten - weil hier wie zwischen zwei Mühlsteinen sich etwas zu bewegen beginnt, nach immer der gleichen Logik den Menschen zu zerpressen zwischen den Gewichten, die von oben und von unten drücken. Gott als Ideologie rechtfertigt die Gewalt, die von unten kommt und immer sind die Menschen Pressmaterial in deren Händen, die von außen her das Sagen haben. Damit muss Schluss sein, meint Jesus im Grunde.“

„Ihr müsst begreifen, wer ihr selber seid! Kein Mensch hat das Recht in euch hinein zu reden. Kein Kaiser ist Gott! Er ist ein Verwaltungsbeamter, nichts mehr. Er hat keinerlei göttliche Befugnis. Was ihr als Menschen seid, seid ihr im Gegenüber der Macht, der ihr euch verdankt, die euch gewollt hat und die darüber bestimmt, wer ihr seid. Sollen wir die Macht, die wir so erfahren, identifizieren mit der Energie der Liebe, und sagen: Die wirkliche Herausforderung, der Grund des Schuldspruchs «Er ist des Todes würdig.» liegt in der Selbstverständlichkeit mit der Jesus versuchbar wurde und erlegen war, dem Glauben an die Liebe.“

„Man müsste denken, eine unerhörtere Revolution sei niemals eingetreten, als das jemand das Diktat seiner Seele sich nicht vorschreiben lässt von dem, was die Geschichte sonst ist, sondern einfach heraustritt. Nach seinem Tod wird man sagen: Er kommt durch geschlossene Wände. Für ihn gelten nicht die Mauern zwischen den Menschen. Das war offenbar nicht später so, sondern hier selbst geschieht es. Da wird ein Mensch frei und ist von außen nicht mehr festzulegen.“

„«Gebt Gott, was Gottes ist.» Das würde bedeuten: Prägt das Bild aus in euch, welches Gott mit euch gemeint hat. Seid überhaupt nichts Anderem verantwortlich als dieser Vision eurer Existenz, die Gott vor Augen stand, als er euch schuf. Da müsst ihr Räume haben, in denen ihr euch selber lauschen könnt, wahrzunehmen wisst, was Gott in euch sagen möchte. Da gilt es, Räume der Stille aufzusuchen, in denen vernehmbar wird, was in der Tiefe gehört werden will. [...] Sie [die Macht] wird lächerlich, wenn Menschen begreifen, wer sie sind.“

Die Predigt ist in Gänze unter dem folgenden Link nachzuhören: https://youtu.be/DAYJvUi1Z0Y

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